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Brücken bauen – für eine starke Straße | Erfolge würdigen. Kontinuität sichern. Zukunft gestalten.

Dokumentation der Diskussionsveranstaltung am 14. April 2026
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Unter dem Titel „Brücken bauen – für eine starke Straße“ lud Pro Mobilität am 14. April 2026 zu seiner diesjährigen öffentlichen Abendveranstaltung in die Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin ein. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen: Mit der Verabschiedung von Eduard Oswald und der Wahl von Dr. Hans-Peter Friedrich zum neuen Präsidenten vollzog der Verband einen bedeutenden Wechsel im Präsidium. Zugleich bot der Abend Gelegenheit, zentrale Fragen der Straßeninfrastrukturpolitik in den Blick zu nehmen. Vor zahlreichen Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden wurde deutlich, dass der Handlungsdruck bei Erhalt, Finanzierung, Planungsbeschleunigung und Modernisierung der Straßeninfrastruktur weiter zunimmt.

Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßten der scheidende Präsident Eduard Oswald und sein Nachfolger Dr. Hans-Peter Friedrich gemeinsam die Gäste. Oswald verband seine kurze Ansprache mit einem grundsätzlichen Appell, die Zukunft nicht mit Angst und Resignation, sondern mit Hoffnung, Optimismus und Tatkraft anzugehen. Dieses Verständnis sei auch Leitmotiv für die Arbeit von Pro Mobilität. Im Anschluss würdigte Dr. Friedrich die Verdienste Oswalds. Er erinnerte an dessen langjähriges politisches Wirken und hob hervor, dass Oswald den Verband in den vergangenen zehn Jahren mit großer Erfahrung, Sachverstand, Leidenschaft und Menschlichkeit geprägt habe. Es sei ihm gelungen, Menschen zusammenzuführen, Konflikte zu lösen und Brücken zu bauen, im politischen wie auch im persönlichen Sinne. Dr. Friedrich dankte Oswald im Namen des Verbandes und seiner Mitglieder für dessen herausragenden Einsatz und betonte, dass Pro Mobilität sich unter seiner Führung zu einer festen Größe im verkehrspolitischen Berlin entwickelt habe. Die stehenden Ovationen der Gäste unterstrichen die große Wertschätzung für den scheidenden Präsidenten.

In seinem Grußwort hieß Daniel Mouratidis, Dienststellenleiter der Landesvertretung Baden-Württemberg, die Gäste in der Landesvertretung willkommen und unterstrich die Bedeutung des Austauschs über Infrastrukturfragen in einer Zeit großer Herausforderungen. Die Landesvertretung verstehe sich als Ort des politischen Dialogs und freue sich, Pro Mobilität erneut zu Gast zu haben. Mouratidis richtete den Blick auf die Brückeninfrastruktur und verwies auf den erheblichen Sanierungsbedarf, der Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen betreffe. Allein in Baden-Württemberg liege für zahlreiche Bundes- und Landesstraßenbrücken dringender Handlungsbedarf vor. Das Land habe bereits seit Jahren einen klaren Schwerpunkt auf Erhalt und Sanierung gelegt und die dafür eingesetzten Mittel deutlich erhöht. Gleichwohl bleibe die Aufgabe gewaltig. Das Sondervermögen könne nur ein Anfang sein. Entscheidend werde sein, eine dauerhaft tragfähige Finanzierungsgrundlage für die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur zu schaffen. Mouratidis warb dafür, die notwendige Erneuerung der Brücken als gemeinsame Aufgabe von Bund und Ländern entschlossen anzugehen.

In seiner Antrittsrede stellte Dr. Hans-Peter Friedrich die Rolle von Pro Mobilität im politischen und fachlichen Diskurs heraus. Der Verband sei Gesprächspartner für Politik, Wirtschaft und Verwaltung und bündele die Kompetenz seiner Mitglieder in einer Weise, die ihn zu einer wichtigen Stimme der Straßeninfrastrukturpolitik mache. Dr. Friedrich betonte, dass die Herausforderungen seit Jahrzehnten im Kern dieselben geblieben seien: ein wachsender Bedarf an Infrastruktur, begrenzte Mittel und eine immer stärker belastete Bestandsinfrastruktur. Zugleich warb er dafür, die Bedeutung der Straßeninfrastruktur stärker in einen größeren politischen Zusammenhang zu stellen. Es gehe nicht um Verkehrspolitik im engeren Sinne, sondern um wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Arbeitsplätze, Investitionsbedingungen und die Entwicklung des ländlichen Raums. Deutschland habe in den vergangenen Jahrzehnten in erheblichem Umfang vom Straßenbau profitiert, etwa bei der Erschließung strukturschwacher Regionen oder im Zuge des Aufbaus Ost. Heute müsse das Bewusstsein dafür gestärkt werden, dass Wohlstand, Mobilität und wirtschaftliche Entwicklung auf eine funktionierende Straßeninfrastruktur angewiesen seien. Friedrich plädierte für eine langfristige, verlässliche Finanzierung, für stärkere Planungssicherheit für Unternehmen und für eine vorausschauende Betrachtung der Straße der Zukunft. Dabei spielte auch die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Moderne Straßeninfrastruktur werde in den kommenden Jahren wesentlich stärker digital geprägt sein als bisher. Pro Mobilität wolle deshalb den Schulterschluss mit der Digitalpolitik suchen und sich künftig noch intensiver mit den Potenzialen digitaler Anwendungen für Betrieb, Erhalt, Verkehrssicherheit und Effizienz beschäftigen.

Den politischen Impuls des Abends übernahm Ulrich Lange MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr. Zunächst würdigte auch er die Verdienste Eduard Oswalds und hob dessen sachorientierte, verbindende und zugleich durchsetzungsstarke Art hervor. Oswald habe den Themen der Straße über viele Jahre eine klare und verlässliche Stimme gegeben und Pro Mobilität zu einem angesehenen Ansprechpartner in Politik und Wirtschaft gemacht. Im zweiten Teil seiner Rede wandte sich Lange den aktuellen verkehrspolitischen Herausforderungen zu. Er bekannte sich ausdrücklich zur Straße als Verkehrsträger Nummer eins und machte deutlich, dass dies auch die Haltung des Bundesministeriums für Verkehr sei. Der Erhalt, die Modernisierung und der Ausbau der Straßeninfrastruktur seien Daueraufgaben von zentraler Bedeutung. Lange verwies auf die erheblichen Investitionsmittel, die in dieser Legislaturperiode für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung stünden, machte aber zugleich deutlich, dass die Mittel zielgerichtet und mit größerer Verfahrenseffizienz eingesetzt werden müssten. Ein zentrales Thema seiner Ausführungen war die Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung. Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz solle dabei helfen, Verfahren zu vereinfachen, unnötige Doppelprüfungen zu vermeiden und schneller zu Entscheidungen zu kommen. Gerade mit Blick auf Brückenmodernisierung, Engpassbeseitigung und Ersatzneubauten sei dies dringend erforderlich. Darüber hinaus sprach sich Lange für eine Schließung des Finanzierungskreislaufs Straße aus. Nur wenn Finanzierung dauerhaft verlässlich organisiert werde, könne Vertrauen entstehen und nur dann könnten auch Unternehmen und öffentliche Auftraggeber Kapazitäten aufbauen, planen und umsetzen. Die Bundesregierung wolle die Straße nicht gegen andere Verkehrsträger ausspielen, stelle sich aber der Realität, dass die Straße auch in Zukunft die Hauptlast des Verkehrs tragen werde.

Im fachlichen Teil des Abends stellten Dr. Rainer Scholz und Dr. Michael C. Blum erste Ergebnisse ihrer Studie zum Thema „Straßen lenken mehr als Verkehr – Digitale Transparenz als Grundlage für eine leistungsfähige Straßeninfrastruktur“ vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie digitale Transparenz und vernetzte Daten die Qualität von Infrastrukturentscheidungen verbessern können. Dr. Scholz und Dr. Blum machten deutlich, dass nicht nur ein Mangel an Finanzierung, sondern auch Defizite bei Datenverfügbarkeit, Datennutzung und Steuerung zu den strukturellen Problemen der Straßeninfrastruktur zählen. Zwar lägen bei unterschiedlichen Akteuren bereits zahlreiche Daten über Verkehrsbelastung, Zustand, Nutzung und Betriebsabläufe vor, diese würden jedoch vielfach nicht zusammengeführt und könnten deshalb nur begrenzt für strategische Entscheidungen genutzt werden. Ziel müsse es sein, auf Grundlage besser vernetzter Daten zu einem deutlich dynamischeren, präziseren und wirtschaftlicheren Infrastrukturmanagement zu gelangen. Die Referenten warben insbesondere für einen stärker datenbasierten Ansatz bei Erhaltungsstrategien und Investitionsentscheidungen. Moderne digitale Systeme könnten dabei helfen, die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Netzes besser zu bewerten, Prioritäten genauer zu bestimmen und Maßnahmen rechtzeitiger und gezielter umzusetzen. Dabei gehe es auch um die Frage, welche volkswirtschaftlichen Schäden aus Störungen, Staus, Sperrungen und unzuverlässigen Verkehrsverhältnissen erwüchsen. Gerade für Unternehmen und Logistikprozesse spiele Verlässlichkeit eine zentrale Rolle. Unsicherheiten und mangelnde Planbarkeit führten zu zusätzlichen Kosten und schwächten die Wettbewerbsfähigkeit. Dr. Scholz und Dr. Blum machten deutlich, dass digitale Zwillinge und vernetzte Datenplattformen in Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten könnten, um Netzqualität, Investitionsbedarf und Wirkung von Maßnahmen besser abzubilden. Die Digitalisierung der Infrastruktur sei deshalb nicht nur ein technisches Thema, sondern ein strategischer Baustein für effizientere Verfahren, besseren Mitteleinsatz und eine leistungsfähigere Straße insgesamt.

Zum Abschluss der Veranstaltung sprach Christian Funke, Geschäftsführer von Pro Mobilität, über die politischen Prioritäten des Verbandes und schlug zugleich den Bogen zum geselligen Teil des Abends. Er betonte, dass Pro Mobilität den Finanzierungskreislauf Straße nicht aus einer abstrakten verkehrspolitischen Grundsatzdebatte heraus fordere, sondern weil verlässliche und überjährige Finanzierungsstrukturen eine Voraussetzung für funktionierende Investitionsprozesse seien. Nur wenn langfristige Finanzierungssicherheit bestehe, würden Unternehmen Kapazitäten aufbauen, Personal einstellen und die notwendigen Maschinen und Ressourcen vorhalten. Ebenso dringlich sei die weitere Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Es sei nicht hinnehmbar, dass Infrastrukturprojekte auf Bundesfernstraßen über viele Jahre vor allem im Papierverfahren festhingen, während die eigentliche Bauzeit deutlich kürzer sei. Funke warb dafür, die Straße als Grundlage von Mobilität, Versorgung, wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Freiheit stärker anzuerkennen und dort zu investieren, wo Verkehr tatsächlich stattfinde. Im weiteren Verlauf seiner Rede dankte er allen Referenten, Gästen und der Landesvertretung Baden-Württemberg für die Gastfreundschaft. Besonders herzlich verabschiedete er Bettina Fricke, die nach 23 Jahren bei Pro Mobilität in den Ruhestand tritt und den Verband über viele Jahre als verlässliche und geschätzte Ansprechpartnerin geprägt hat. Auch Eduard Oswald dankte er noch einmal persönlich und im Namen des Verbandes für dessen zehnjährige Amtszeit als Präsident. Mit der Einladung zum anschließenden Austausch bei Buffet und Gesprächen beschloss Funke den offiziellen Teil des Abends.

Pro Mobilität bedankt sich herzlich bei der Landesvertretung Baden-Württemberg für die Gastfreundschaft sowie bei allen Rednern, Gästen und Mitwirkenden für einen gelungenen Abend und einen intensiven Austausch über die Zukunft der Straßeninfrastrukturpolitik in Deutschland.