Verkehrssicherheit

Verkehrssicherheit bei zunehmender Mobilität gewährleisten

Die Mobilität unserer Gesellschaft nimmt weiter zu - Güter- und Personenverkehr verzeichnen stetige Zuwächse. Eine große Herausforderung für die Zukunft besteht darin, die Verkehrssicherheit bei weiter zunehmender Mobilität zu verbessern. Die erzielten Fortschritte in der Verkehrssicherheit in den vergangenen 40 Jahren sind im Hinblick auf den gestiegenen Kraftfahrzeugbestand beachtlich. Dennoch sind die im Verkehrssicherheitsprogramm des Jahres 2011 festgeschriebenen, ambitionierten Ziele nur noch mit großen Anstrengungen und zusätzlichen Maßnahmen zu erreichen.

Im Jahr 2018 verminderte sich die Anzahl der polizeilich erfassten Unfälle leicht um 0,4 Prozent auf ca. 2,6 Millionen. Davon blieb es in knapp 90 Prozent der Fälle bei Sachschäden (-0,7 Prozent). Die Anzahl, der im Straßenverkehr getöteten Person stieg nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes um 2,7 Prozent auf 3265 Todesopfer an. Auch die Anzahl der Verletzten nahm 2018 gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent zu, auf rund 394.600 Personen. Betrachtet man die Statistiken zur Unfallentwicklung auf deutschen Straßen genauer wird klar: Verkehrssicherheit muss breiter wirken und deshalb beim Verhalten, den Fahrzeugen und der Infrastruktur ansetzen. So lassen sich beispielsweise Handlungsfelder im Innerortsverkehr aus der hohen Anzahl getöteter Fußgänger und Fahrradfahrer ableiten. Es gilt Unfallschwerpunkte innerorts und außerorts konsequent zu entschärfen und mit intelligenter Straßeninfrastruktur die Voraussetzungen für den sicheren, effizienten und vernetzten Verkehr der Zukunft zu schaffen.

Moderne Straßen sind sichere Straßen
Das verstetigte hohe Investitionsniveau im Verkehrsetat des Bundes bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Modernisierung der deutschen Straßeninfrastruktur. Nur moderne Straßen sind auch sichere Straßen und so gilt es, Unfallrisiken bereits bei Sanierung und Neubau der Infrastruktur zu reduzieren. Das hohe Verkehrsaufkommen führt zur Abnutzung der Verkehrsinfrastruktur, für jedermann sichtbar durch Schlaglöcher, verschlissene Fahrbahnmarkierungen oder Spurrinnen. Außerdem ist der Verkehrszeichenbestand speziell in Großstädten völlig überaltert und im Hinblick auf Erkennbarkeit insbesondere bei Nacht problematisch, für die Korres­pondenz mit autonomen Fahrzeugen zumindest fragwürdig. Diese ganzen Problemstellen könnten durch die ernsthaftere Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen Verkehrsschauen leicht erkannt und beseitigt werden. Außerorts wurden durch den Umbau von Unfallschwerpunkten und zusätzlichen alternierenden Überholstreifen auf Bundesstraßen schon wichtige Akzente gesetzt. Weitere Handlungsfelder sind der intensive Ausbau von Lkw-Stellplätzen an Autobahnen, innovative Straßenausstattung, die auch Motorradfahrer schützt sowie eine sichere Verkehrsführung an Baustellen, beispielsweise durch den Einsatz dynamischer LED-Beschilderung. Auch die Sicherheit auf den Straßen innerorts muss weiter verbessert werden. Die Verkehrsdichte nimmt durch mehr Fahrräder und „neue“ Fahrradkonzepte, der steigenden Beliebtheit von Carsharing-Angeboten und wachsende Lieferverkehre weiter zu. Die Anforderungen an den Straßenraum in urbanen Regionen werden immer facettenreicher. Er muss daher den veränderten Bedingungen zukunftssicher angepasst werden. Finanzschwache Kommunen und Regionen könnten durch Sonderprogramme bei ihren Bemühungen für mehr Verkehrssicherheit unterstützt werden, müssen sie doch gleichzeitig auch ihren Beitrag als Straßenbaulastträger leisten.

Verkehrssicherheit durch Digitalisierung steigern
Der Mensch, insbesondere Führerscheinneulinge und Senioren über 70, stellen den größten Unsicherheitsfaktor im Straßenverkehr dar. Deshalb liegt im automatisierten und vernetzten Verkehr eine große Chance für die Verkehrssicherheit. Auf den vom BMVI geförderten digitalen Testfeldern werden bereits heute automatisierte Fahrfunktionen und die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur erprobt. Dies ist ein wichtiger Schritt, um möglichst schnell digitale Innovationen in marktfähige Produkte zu überführen.

Fahrzeugsicherheit wird künftig nicht mehr nur von mechanischen, sondern stärker von elektronischen und vernetzten Bauteilen abhängen. Diese Systeme müssen besonders langfristig und reibungslos funktionieren und sowohl untereinander (Car2Car/V2V) als auch mit der Verkehrsinfrastruktur (Car2X&V2X) kommunizieren. Infolgedessen wird ein weiterer wichtiger Aspekt der Verkehrssicherheit die hierbei generierten sicherheitsrelevanten Fahrzeugdaten der Nutzer sein. Dabei kommt der Datensicherheit eine nicht zu unterschätzenden Bedeutung zu. Insbesondere sollte sichergestellt werden, dass die Eigentumsrechte der generierten Daten bei den Fahrzeughaltern liegen.

Moderne Sensortechnik an Kreuzungen, Baustellen und Fußgängerüberwegen, in Brücken und Lichtzeichenanlagen kann alle Verkehrsteilnehmer vor gefährlichen Situationen warnen und den Verkehrsfluss verbessern. Auch Verkehrsbeeinflussungsanlagen auf Autobahnen reduzieren Unfallrisiken. Die Förderung von Assistenzsystemen (Abbiege-Assistenzsysteme oder Notbremsassistenzsysteme) in Pkw und Lkw durch das BMVI begrüßt Pro Mobilität. Sie sollten zwingend nicht abschaltbar nachgerüstet werden und die Funktionsfähigkeit dieser modernen Assistenzsysteme sowie weiterer mechanischer und digitaler Komponenten der Fahrzeugsicherheit muss für ein ganzes Fahrzeugleben sichergestellt werden. Diese Systeme profitieren von intelligenten Straßen und Brücken mit denen sie in Echtzeit kommunizieren können. Eine vernetzte und intelligente Straßeninfrastruktur kann somit einen großen Beitrag zur Verkehrssicherheit in unserem Land leisten.

  • Unfallschwerpunkte konsequent beseitigen
  • Verkehrsinfrastruktur modernisieren
  • Tatsächliche Durchführung von Verkehrsschauen
  • Erfassung und Modernisierung des Bestandes an Straßenausstattung (Markierung, Verkehrszeichen)
  • Bedarfsorientierter Ausbau von sicheren Lkw Parkplätzen an den Fernstraßen
  • Urbanen Straßenraum an gesteigertes Mobilitätsbedürfnis anpassen
  • Finanzschwache Kommunen und Regionen mit Sonderprogrammen unterstützen
  • Digitalisierung im Bereich der Infrastruktur und Fahrzeugtechnik nutzen
  • Mittels Telematik den Verkehr intelligent beeinflussen
  • Funktionsfähigkeit mechanischer und elektronischer Komponenten der Fahrzeugsicherheit über gesamtes Fahrzeugleben hinweg gewährleisten
  • Kontinuierliche Verkehrserziehung als Präventionsmaßnahme

Verkehrssicherheit: weniger Getötete, mehr Verletzte

1.450 Menschen kamen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 bei Verkehrsunfällen auf deutschen Straßen ums Leben. Das waren nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 144 Personen oder 9,0 % weniger als im ersten Halbjahr 2015. Dagegen stieg die Zahl der Verletzten um 0,9 % auf etwa 183.400 Personen.

Insgesamt nahm die Polizei in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr Unfälle auf als im ersten Halbjahr 2015: Die Zahl der Unfälle stieg um 3,6 % auf rund 1,25 Millionen. Davon gab es bei 1,11 Millionen Unfällen ausschließlich Sachschaden (+ 4,0 %), bei 142 100 Unfällen (+ 0,7 %) kamen Personen zu Schaden.

Eine große Rolle beim Rückgang der Zahl der Verkehrstoten im 1. Halbjahr 2016 dürfte das teilweise mäßige Wetter im Frühjahr gespielt haben. So ist zum Beispiel Ostern so mancher Ausflug mit dem Rad buchstäblich ins Wasser gefallen. Im Zeitraum Januar bis Mai 2016, für den schon tiefer gegliederte Ergebnisse vorliegen, lässt sich eine Abnahme der Zahl der Verkehrstoten bei den so genannten ungeschützten Verkehrsteilnehmern beobachten: Die Zahl der getöteten Kraftradfahrer ging um 26,1 % zurück, die der Radfahrer und der Fußgänger jeweils um 5,6 %. Die Zahl der getöteten Pkw-Insassen nahm dagegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu (+ 6,7 %). 

Quelle Text & Grafik: Statistisches Bundesamt