Verkehrssicherheit

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Unfallbilanz 2015: Mehr Unfälle und mehr Verkehrstote

Im Jahr 2015 zählte die Polizei insgesamt 2,5 Millionen Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen. Das waren 4,6 % mehr als im Vorjahr. Dabei starben 3 459 Menschen, 2,4 % oder 82 Menschen mehr als 2014. „Damit ist 2015 die Zahl der Verkehrstoten das zweite Jahr in Folge gestiegen“, sagte Dieter Sarreither, Präsident des Statistischen Bundesamtes (Destatis), bei der heutigen Pressekonferenz zur „Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2015“ in Berlin.

Dennoch sind dies deutlich weniger Todesopfer als in den Jahren 1950 bis 2012. Der traurige Rekord wurde 1970 mit 21 332 Verkehrstoten erreicht. Seitdem sank die Zahl der Verkehrstoten um 83,8 %. Die Entwicklung ist umso erfreulicher, da gleichzeitig der Kraftfahrzeugbestand stark gestiegen ist: Gemessen am Fahrzeugbestand war das Risiko 1970, bei Unfällen im Straßenverkehr zu sterben, 16-mal höher als 2015.

In den 25 Jahren seit der deutschen Vereinigung konnten überdurchschnittliche Rückgänge bei der Zahl der Verkehrstoten bei Pkw-Insassen und Fußgängern erreicht werden. Bei Fahrrad- und Kraftradnutzern fielen die Rückgänge dagegen deutlich geringer aus. Die mit Abstand meisten Fahrradfahrer (61,6 %) und Fußgänger (70,2 %) starben 2015 innerorts. Für Kraftradnutzer sind dagegen Landstraßen besonders gefährlich: 2015 starben fast drei Viertel aller tödlich verunglückten Kraftradnutzer bei Unfällen auf Landstraßen.

Erfreulicherweise ist die Zahl der Geschwindigkeitsunfälle in den letzten 25 Jahren überdurchschnittlich gesunken. Dennoch ist nicht angepasste Geschwindigkeit nach wie vor die häufigste Ursache für tödliche Verkehrsunfälle. „2015 kamen 1 192 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen ums Leben. Damit starb mehr als jeder Dritte aller im Straßenverkehr Getöteten bei Unfällen aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit“, betonte Dieter Sarreither.

Der demografische Wandel wird auch in der Unfallstatistik sichtbar: 1991 war erst jeder sechste Verkehrstote 65 oder älter, 2015 war es knapp jeder dritte. Da die körperliche Widerstandsfähigkeit mit dem Alter sinkt, tragen ältere Menschen ein höheres Risiko, bei einem Unfall tödlich verletzt zu werden: 2015 waren 27 % der getöteten Pkw-Insassen, 52 % der getöteten Fußgänger und 52 % der getöteten Radfahrer mindestens 65 Jahre alt. Besonders gefährdet ist die Generation 75+: 33 % der getöteten Fahrradbenutzer und 41 % der getöteten Fußgänger waren 75 Jahre oder älter.

Quelle: Destatis


Verkehrssicherheit bei zunehmender Mobilität gewährleisten

Die Mobilität unserer Gesellschaft nimmt weiter zu - Güter- und Personenverkehr verzeichnen stetige Zuwächse. Eine große Herausforderung für die Zukunft besteht darin, die Verkehrssicherheit bei weiter zunehmender Mobilität zu verbessern. Die erzielten Fortschritte in der Verkehrssicherheit in den vergangenen 40 Jahren sind im Hinblick auf den gestiegenen Kraftfahrzeugbestand beachtlich. Dennoch sind die im Verkehrssicherheitsprogramm des Jahres 2011 festgeschriebenen, ambitionierten Ziele nur noch mit großen Anstrengungen und zusätzlichen Maßnahmen zu erreichen.

Im Jahr 2018 verminderte sich die Anzahl der polizeilich erfassten Unfälle leicht um 0,4 Prozent auf ca. 2,6 Millionen. Davon blieb es in knapp 90 Prozent der Fälle bei Sachschäden (-0,7 Prozent). Die Anzahl, der im Straßenverkehr getöteten Person stieg nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes um 2,7 Prozent auf 3265 Todesopfer an. Auch die Anzahl der Verletzten nahm 2018 gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent zu, auf rund 394.600 Personen. Betrachtet man die Statistiken zur Unfallentwicklung auf deutschen Straßen genauer wird klar: Verkehrssicherheit muss breiter wirken und deshalb beim Verhalten, den Fahrzeugen und der Infrastruktur ansetzen. So lassen sich beispielsweise Handlungsfelder im Innerortsverkehr aus der hohen Anzahl getöteter Fußgänger und Fahrradfahrer ableiten. Es gilt Unfallschwerpunkte innerorts und außerorts konsequent zu entschärfen und mit intelligenter Straßeninfrastruktur die Voraussetzungen für den sicheren, effizienten und vernetzten Verkehr der Zukunft zu schaffen.

Moderne Straßen sind sichere Straßen
Das verstetigte hohe Investitionsniveau im Verkehrsetat des Bundes bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Modernisierung der deutschen Straßeninfrastruktur. Nur moderne Straßen sind auch sichere Straßen und so gilt es, Unfallrisiken bereits bei Sanierung und Neubau der Infrastruktur zu reduzieren. Das hohe Verkehrsaufkommen führt zur Abnutzung der Verkehrsinfrastruktur, für jedermann sichtbar durch Schlaglöcher, verschlissene Fahrbahnmarkierungen oder Spurrinnen. Außerdem ist der Verkehrszeichenbestand speziell in Großstädten völlig überaltert und im Hinblick auf Erkennbarkeit insbesondere bei Nacht problematisch, für die Korres­pondenz mit autonomen Fahrzeugen zumindest fragwürdig. Diese ganzen Problemstellen könnten durch die ernsthaftere Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen Verkehrsschauen leicht erkannt und beseitigt werden. Außerorts wurden durch den Umbau von Unfallschwerpunkten und zusätzlichen alternierenden Überholstreifen auf Bundesstraßen schon wichtige Akzente gesetzt. Weitere Handlungsfelder sind der intensive Ausbau von Lkw-Stellplätzen an Autobahnen, innovative Straßenausstattung, die auch Motorradfahrer schützt sowie eine sichere Verkehrsführung an Baustellen, beispielsweise durch den Einsatz dynamischer LED-Beschilderung. Auch die Sicherheit auf den Straßen innerorts muss weiter verbessert werden. Die Verkehrsdichte nimmt durch mehr Fahrräder und „neue“ Fahrradkonzepte, der steigenden Beliebtheit von Carsharing-Angeboten und wachsende Lieferverkehre weiter zu. Die Anforderungen an den Straßenraum in urbanen Regionen werden immer facettenreicher. Er muss daher den veränderten Bedingungen zukunftssicher angepasst werden. Finanzschwache Kommunen und Regionen könnten durch Sonderprogramme bei ihren Bemühungen für mehr Verkehrssicherheit unterstützt werden, müssen sie doch gleichzeitig auch ihren Beitrag als Straßenbaulastträger leisten.

Verkehrssicherheit durch Digitalisierung steigern
Der Mensch, insbesondere Führerscheinneulinge und Senioren über 70, stellen den größten Unsicherheitsfaktor im Straßenverkehr dar. Deshalb liegt im automatisierten und vernetzten Verkehr eine große Chance für die Verkehrssicherheit. Auf den vom BMVI geförderten digitalen Testfeldern werden bereits heute automatisierte Fahrfunktionen und die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur erprobt. Dies ist ein wichtiger Schritt, um möglichst schnell digitale Innovationen in marktfähige Produkte zu überführen.

Fahrzeugsicherheit wird künftig nicht mehr nur von mechanischen, sondern stärker von elektronischen und vernetzten Bauteilen abhängen. Diese Systeme müssen besonders langfristig und reibungslos funktionieren und sowohl untereinander (Car2Car/V2V) als auch mit der Verkehrsinfrastruktur (Car2X&V2X) kommunizieren. Infolgedessen wird ein weiterer wichtiger Aspekt der Verkehrssicherheit die hierbei generierten sicherheitsrelevanten Fahrzeugdaten der Nutzer sein. Dabei kommt der Datensicherheit eine nicht zu unterschätzenden Bedeutung zu. Insbesondere sollte sichergestellt werden, dass die Eigentumsrechte der generierten Daten bei den Fahrzeughaltern liegen.

Moderne Sensortechnik an Kreuzungen, Baustellen und Fußgängerüberwegen, in Brücken und Lichtzeichenanlagen kann alle Verkehrsteilnehmer vor gefährlichen Situationen warnen und den Verkehrsfluss verbessern. Auch Verkehrsbeeinflussungsanlagen auf Autobahnen reduzieren Unfallrisiken. Die Förderung von Assistenzsystemen (Abbiege-Assistenzsysteme oder Notbremsassistenzsysteme) in Pkw und Lkw durch das BMVI begrüßt Pro Mobilität. Sie sollten zwingend nicht abschaltbar nachgerüstet werden und die Funktionsfähigkeit dieser modernen Assistenzsysteme sowie weiterer mechanischer und digitaler Komponenten der Fahrzeugsicherheit muss für ein ganzes Fahrzeugleben sichergestellt werden. Diese Systeme profitieren von intelligenten Straßen und Brücken mit denen sie in Echtzeit kommunizieren können. Eine vernetzte und intelligente Straßeninfrastruktur kann somit einen großen Beitrag zur Verkehrssicherheit in unserem Land leisten.

  • Unfallschwerpunkte konsequent beseitigen
  • Verkehrsinfrastruktur modernisieren
  • Tatsächliche Durchführung von Verkehrsschauen
  • Erfassung und Modernisierung des Bestandes an Straßenausstattung (Markierung, Verkehrszeichen)
  • Bedarfsorientierter Ausbau von sicheren Lkw Parkplätzen an den Fernstraßen
  • Urbanen Straßenraum an gesteigertes Mobilitätsbedürfnis anpassen
  • Finanzschwache Kommunen und Regionen mit Sonderprogrammen unterstützen
  • Digitalisierung im Bereich der Infrastruktur und Fahrzeugtechnik nutzen
  • Mittels Telematik den Verkehr intelligent beeinflussen
  • Funktionsfähigkeit mechanischer und elektronischer Komponenten der Fahrzeugsicherheit über gesamtes Fahrzeugleben hinweg gewährleisten
  • Kontinuierliche Verkehrserziehung als Präventionsmaßnahme

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