Logistik und Versorgungsverkehr

Leistungsfähige Infrastruktur für Logistik und Versorgungsverkehr schaffen

Ein leistungsfähiges Straßenverkehrssystem und die dazugehörige Straßeninfrastruktur sind für die Versorgung in modernen Volkswirtschaften und aller Bürger unabdingbar. Straßen verbinden Menschen und Unternehmen und sind in die wirtschaftlichen Wertschöpfungsprozesse fest integriert. Während in der politischen und verkehrswissenschaftlichen Diskussion vornehmlich die Kosten des Straßenverkehrs für die Gesellschaft und Umwelt in den Vordergrund gerückt werden, wird der volkswirtschaftlich generierte Nutzen oftmals nur unzureichend betrachtet. Zudem stellt die Straße, als einziger Verkehrsträger, die Versorgung und Mobilität von „Tür zu Tür“ sicher und ist damit sowohl auf der ersten als auch auf der letzten Meile ohne Alternative. Dringend erforderlicher Wohnungsneubau in den Städten kann und wird nur funktionieren, wenn Bauunternehmen, Maschinen und Arbeitskräfte frei und ungehindert zu ihren Baustellen gelangen. Vor dem Hintergrund der steigenden Güterverkehrsleistung, auch durch den Online-Handel, bedarf es zukunftsfähiger Konzepte in der Stückgutlogistik und der KEP-Branche, in den urbanen Zentren und im ländlichen Raum.

Stückgutlogistik
Mit einem jährlichen Aufkommen von etwa 160 Millionen Sendungen im Gewichtsbereich zwischen 30 kg und 2.500 kg übernimmt die Branche der Stückgutdienstleister eine zentrale Rolle im Rahmen der Versorgung von Industrie und Handel in urbanen Räumen. Die Zustellfahrzeuge der Stückgutlogistik sind größer und schwerer als die der KEP-Branche (7,5 bis 18 Tonnen) und übernehmen die Vor-Ort-Zustellung palettierter Ware aus stadtnah gelegenen Umschlagdepots. Der immer dichter werdende Stadtverkehr verlangt eine Optimierung der Tourenplanung und Prozesssteuerung. Dies bietet breite Ansätze für eine digitale Steuerung der Abläufe, auch in Kooperation mit den Auftraggebern. Überwiegend werden B2B-Verkehre abgewickelt. Kommunen und Städte können ihren Beitrag durch genügend große Zeitfenster für die Belieferung von Fußgängerzonen oder die Bereitstellung ausreichender Logistikflächen leisten. Stückgutlogistiker bemühen sich um aktiven Klimaschutz und suchen die optimale alternative Antriebsart für mittelschwere Nutzfahrzeuge im Nahverkehr. Bei einer täglichen Tourenweite von 200 bis 300 km kommen mehrere Antriebsalternativen in Frage. Doch erst langsam bieten die Hersteller geeignete Modelle mit vorwiegend Gas- oder Elektromotoren an. Auf keinen Fall dürfen Diesel-Fahrverbote für den Stückgutlieferverkehr greifen, bevor die Unternehmen im Rahmen der üblichen Abschreibungsfristen in der Lage sind, neue Fahrzeuge mit emissionsarmen Antrieben anzuschaffen um Versorgungsengpässe zu verhindern. Für alle Bereiche der Logistik gilt es, die Versorgungssicherheit von Industrie, Handel und Bürgern aufrecht zu erhalten, indem dem Mangel an Berufskraftfahrern durch die Steigerung der Attraktivität des Berufsbildes, bessere Werbung und Qualifikation etwas entgegengesetzt wird. Auch die Infrastruktur, die das tägliche Arbeitsumfeld der Fahrer darstellt, muss konsequent digitalisiert und baulich erneuert werden.

Boomender Onlinehandel erfordert innovatives, stadtverträgliches Logistikkonzept
Nach Zahlen des Händlerbundes wächst der deutsche Onlinehandel seit mehr als sechs Jahren kontinuierlich und umfasste im Jahr 2018 rund 60 Milliarden Euro. Der boomende Onlinehandel und die damit einhergehenden steigenden Versandmengen führen insbesondere in den urbanen Zentren zu deutlich mehr Lieferverkehr und einer Verknappung der Flächen für den Warenumschlag. Im Jahr 2017 wurden rund 3,35 Millionen Pakete transportiert. Damit hat sich das Sendungsvolumen in den vergangenen 17 Jahren nahezu verdoppelt und wird weiter steigen. Der Versorgungsverkehr, insbesondere auf der letzten Meile, ist fast vollständig auf die Straße angewiesen und konkurriert hier mit dem öffentlichen und individuellen Personenverkehr. Um innerhalb dieses komplexen Systems eine leistungsfähige Abwicklung des Versorgungsverkehrs sicherzustellen, der gleichzeitig genug Raum für die vielschichtigen weiteren Funktionen des Straßenraumes gewährleistet, bedarf es einer intelligenten und einer für alle Marktteilnehmer offenen Bündelung der zunehmenden Warenströme durch ein stadtverträgliches Logistik-Konzept und einer Optimierung der Schnittstellen zwischen verschiedenen Verkehrsträgern. Nachhaltige und umweltverträgliche Beförderungsmethoden von Gütern und Waren sind auf Reorganisation im Lieferprozess sowie kundenahe Lagerflächen, sogenannten Micro-Hubs, angewiesen.

Plattformökonomie etablieren
Versorgungssicherheit, sozial abgesicherte Arbeitsplätze und ein fairer Wettbewerb, gerade in der innerstädtischen Logistik, gewährleisten für den Endkunden langfristig einen ungehinderten Zugang und stabile Preise.

In Zeiten zunehmender Digitalisierung bieten Plattformen, die sich auf die Verknüpfung von Marktakteuren spezialisieren und nicht auf das Management der traditionellen Wertschöpfungsketten, die Möglichkeit, Kunden, Unternehmen und Logistiker schnell und effizient zusammenzuführen. Die Angebotsseite wird durch Mobilitätsanbieter wie dem ÖPNV oder Ridesharing-Unternehmen, die Anbieterseite durch Speditionen, Kurier-, Express-, Postdienste, mehr und mehr auch durch IT Unternehmen und Infrastrukturanbieter repräsentiert. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Mobilitäts- und Logistik-Plattformen für Bürger, Kommunen und Unternehmen nach einem transparenten Regelwerk und einem berechenbarer Rechtsrahmen fair und diskriminierungsfrei zugänglich und nutzbar sind. Monopole oder Oligopole sind im Interesse der Kunden und der kleinen und mittelständischen Wirtschaft zu verhindern.

  • Schaffung zentraler Ansprechstationen für die Logistiker bei Städten und Kommunen
  • Stärkere Kooperation mit Versendern und Empfängern bei der Erprobung alternativer Konzepte wie Nachtanlieferung
  • Steigerung der Attraktivität des Berufskraftfahrers
  • Faire Übergangsregelungen bei Diesel-Fahrverboten für leichte Nutzfahrzeuge
  • Intelligente und für alle Marktteilnehmer offene Bündelung der zunehmenden Warenströme durch ein stadtverträgliches Logistik-Konzept
  • Optimierung der Schnittstellen zwischen den Verkehrsträgern
  • Mobilitäts- und Logistikplattformen für Bürger, Kommunen und Unternehmen diskriminierungsfrei zugänglich und nutzbar machen
  • Bündelung von Lieferungen, um Effizienz zu steigern und Stau zu vermeiden

Multimodalität ermöglichen

In der neuen Mobilitätswelt sind viele Insellösungen entstanden – vom Flickenteppich der Betreiber von E-Auto-Ladestationen bis hin zur nicht optimalen Verknüpfung von Verkehrsmitteln. Viele verschiedene Mobilitäts-Apps für regionale Angebote auf dem Smartphone machen die Nutzung unnötig kompliziert Bundesweit einheitliche Bezahldienste fehlen, ein Mobilitätsticket für ganz Deutschland wäre die perfekte Lösung für Reisen mit verschiedenen Verkehrsmitteln. Hier muss der Gesetzgeber den Rahmen definieren. Mit dem Mobilitätsmarktplatz MDM des BMVI besteht bereits eine Möglichkeit zum Datenaustausch, doch der Bestand ist lückenhaft. Insbesondere regionale Reise- und Infrastrukturdaten fehlen.

Verkehrsoptionen nutzen

Logistik und Güterverkehr treiben die Elektromobilität voran. Neue Lieferketten und Zustelloptionen auf der letzten Meile werden erprobt. Micro-Paketdepots, Elektro-Lastenfahrräder und selbst Drohnen sind besonders für die Paketflut des Onlineshoppings eine Option. Mit Elektrofahrzeugen wird leiser Lieferverkehr auch nachts möglich. Flüssiggas-, Elektro-, Brennstoffzellenantrieb oder Oberleitungs-Lkw werden erprobt. Die bisherige Strategie, technologieoffen Innovationsforschung zu unterstützen, ist richtig und muss fortgeführt werden. Zugleich müssen jedoch der Verkehrsraum und die Infrastruktur entsprechend angepasst werden. Neue Gesetze und Verordnungen müssen Rechtssicherheit für den Einsatz der neuen Technologien schaffen und deren Praxiserprobung unterstützen. Datenschutz und datenbasierte Dienste müssen in Einklang gebracht werden, der Kunde muss auch bei der Ladesäulenverordnung im Mittelpunkt stehen. Vernetzter Verkehr und seine digitale Steuerung wird in zahlreichen Testfeldern auf Autobahnen, Landstraßen und Kommunen erprobt. Intelligente Infrastruktur, mit Sensoren und Kameras an Ampeln, Laternen und Brücken, liefert dabei Informationen über das  Verkehrsgeschehen, den Parkraum und den Zustand von Straßen und Brücken. Hinweise über Gefahrensituationen stehen so frühzeitig bereit, ein Belastungsmonitoring von Brücken wird möglich. Mit einer übergreifenden Evaluation der Ergebnisse der verschiedenen Testfelder und einer Koordination der Forschungsaufträge können die Ressourcen für Forschung und Innovation effizient eingesetzt werden.