Vernetzte Mobilität

Verkehrssicherheit und Lärmschutz verbessern zurück

Straßennetz für mehr Sicherheit modernisieren - Potenzial der Digitalisierung nutzen

Unsere Gesellschaft wird immer mobiler - 45 Millionen Pkw, 5,5 Millionen Lkw und Busse, 78 Millionen Fahrräder und E-Bikes sind unterwegs. Auch die Zahl der Pendler steigt. 2016 gab es mit 18,4 Millionen Menschen einen neuen Spitzenwert. Deutschland ist Exportnation und Logistikdrehscheibe im Herzen Europas – immer mehr Waren rollen über die Straßen. Angesichts des zunehmenden Verkehrs ist es beachtlich, dass 2016 mit 3.206 Menschen im Straßenverkehr weniger Personen zu Tode kamen als je zuvor. Doch der positive Trend stockt. Im ersten Halbjahr 2017 gab es sogar 90 Verkehrstote mehr als im Vorjahreszeitraum.

Wegweiser Verkehrssicherheit und Lärmschutz

Um das ambitionierte Ziel des Verkehrssicherheitsprogramms von 2011 zu erreichen, müsste die Zahl der Getöteten im Vergleich zu2011 um 40% sinken. Sorge bereitet der Anstieg der Unfallzahlen auf rund 2,6 Millionen, es verletzten sich rund 400.000 Menschen. Sieben Prozent mehr Schwerverletzte machen deutlich: Verkehrssicherheit kann sich nicht allein an Unfallopfern messen. Sie muss breiter wirken und deshalb beim Verhalten, den Fahrzeugen und der Infrastruktur ansetzen. Handlungsfelder im Innerortsverkehr lassen sich aus dem Anstieg der Zahl der Verletzten seit 2010 bei Fußgängern (6%) und vor allem Radfahrern (24%) ablesen. Unfallschwere und Unfallzahlen müssen wieder zurückgehen. Dazu sollten Unfallschwerpunkte innerorts und außerorts konsequent entschärft und mit intelligenter Straßeninfrastruktur die Voraussetzungen für den sicheren und effizienten vernetzten Verkehr der Zukunft geschaffen werden. Sonderprogramme könnten finanzschwache Kommunen und Regionen unterstützen, notwendige Investitionen für mehr Verkehrssicherheit zu realisieren.

Straßennetz für mehr Sicherheit modernisieren

Schlaglöcher, Spurrillen, unlesbare Straßenschilder, fehlende oder verschlissene Fahrbahnmarkierungen und unübersichtliche Straßenkreuzungen sind ein Verkehrsrisiko. Die Sanierung mit speziellen Fahrbahnoberflächen führt zur Reduzierung des Lärms. Lärmschutzwände mit Moos können zudem die Schadstoffbelastung reduzieren. Der Bund muss hier mit gutem Beispiel voran gehen. Er sollte seine Autobahnen und Bundesstraßen so modernisieren, dass ein Fahrfehler nicht gleich einen schweren Unfall zur Folge hat. Mit mehr Rüttelstreifen, dem Umbau von Unfallschwerpunkten und zusätzlichen Überholspuren auf Bundesstraßen (2+1 Querschnitt) werden bereits wichtige Akzente gesetzt. Handlungsfelder bleiben sichere Verkehrsführungen an Baustellen, eine Straßenausstattung, die Motorradfahrer schützt oder auch der weitere Ausbau von Lkw-Stellplätzen auf der Autobahn. Ebenso sind Länder und Kommunen gefordert, ihren Beitrag als Straßenbaulastträger zu leisten. Die Komplexität des Verkehrs nimmt zu, seit das Fahrrad den Straßenraum und die Herzen vieler Menschen wieder erobert hat. Zugleich fordern die Fußgänger mehr Raum, die Paketdienste übernehmen immer größere Teile der Stadtlogistik und Carsharing wird beliebter. Der knappe Straßenraum muss diesem Wandel entsprechend angepasst und umgebaut werden. Nachdem sich Bund und Länder auf einen Ausstieg des Bundes aus der Gemeindeverkehrsfinanzierung (Länderprogramme) ab 2020 geeinigt haben, liegt es nun in der Hand der Bundesländer, Investitionen der Kommunen in mehr Sicherheit im Straßennetz zu fördern.

Digitalisierung für Verkehrssicherheit nutzen

90% der Unfälle mit Todesfolge werden durch menschliches Versagen verursacht. Automatisierter und vernetzter Verkehr minimiert dieses Risiko, auch die Sicherheit nicht vernetzter Verkehrsteilnehmer steigt. Die Erprobung automatisierter Fahrfunktionen und der Kommunikation von Fahrzeugen und Infrastruktur wird auf den vom BMVI geförderten digitalen Testfeldern erforscht. Dies ist ein wichtiger Schritt, um möglichst schnell digitale Innovationen in marktfähige Produkte zu überführen. Bund, Länder und Kommunen sind aufgefordert, dafür ihre Infrastruktur- und Mobilitätsdaten zur Verfügung zu stellen. Kreuzungen, Brücken, Ampeln, Baustellen oder Fußgängerübergänge mit Sensoren können alle Verkehrsteilnehmer vor gefährlichen Situationen warnen und den Verkehrsfluss verbessern. Sie können viele Kilometer im Voraus und in Echtzeit vor einem Stauende, Unfällen, Blitzeis oder nahenden Rettungsfahrzeugen warnen. Verkehrsbeeinflussungsanlagen auf Autobahnen haben bewiesen, dass sie das Unfallrisiko um bis zu 40% senken können. Auch die Assistenzsysteme in PKW und LKW profitieren von intelligenten Straßen und Brücken. Vernetzte Straßeninfrastruktur kann einen großen Beitrag für mehr Verkehrssicherheit leisten.