Vernetzte Mobilität

Erhaltungsstau abbauen und Engpässe beseitigen zurück

Vorausschauend sanieren - Leistungsfähigkeit im Straßennetz verbessern

Für Unternehmen ist die Qualität des Fernstraßennetzes ein wichtiger Standortfaktor. Doch im internationalen Ranking des Weltwirtschaftsforums hat Deutschland bei der Straßeninfrastruktur stark eingebüßt: Die Qualität von Straßen und Brücken rutschte seit 2008 von Rang 4 auf Position 16 ab. Sichtbares Zeichen sind Brückensperrungen wie die der A40-Rheinbrücke bei Duisburg im August. Der Brückeninfarkt an der wichtigen Wirtschaftsroute in die Niederlande verursacht pro Tag einen volkswirtschaftlichen Schaden von 1,2 Millionen Euro, errechnete die Handelskammer Duisburg.

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Staus im Verkehr sind vor allem auf drei Ursachen zurückzuführen: zu hohes Verkehrsaufkommen, Unfälle und Baustellen. Starke Verzögerungen im Verkehrsablauf verteuern nicht nur den Transport, sie belasten auch Mensch und Umwelt. Fahrer suchen bei Stau nach Ausweichstrecken, doch gerade im nachgeordneten Netz sind die Unfallrisiken deutlich höher. Auf Autobahnen registrierte der ADAC im Jahr 2016 rund 694.000 Staus mit einer Gesamtlänge von knapp 1.378.000 Kilometern. Besonders staugefährdet sind die großen Achsen im Autobahnnetz und Ballungsräume mit vielen Pendlern. In München, der verkehrsreichsten Stadt Deutschlands, stecken Autofahrer durchschnittlich 49 Stunden pro Jahr im Stau, bundesweit sind es nach Angaben des Verkehrsdatenanbieters Inrix 30 Stunden. Stau verursacht in Städten dicke Luft – die Stickoxidbelastung verdoppelt sich genauso wie die CO2-Emissionen.

Stauvermeidung ist daher das zentrale Ziel. Neu- und Ausbaumaßnahmen sorgen langfristig für die erforderliche Leis Leistungsfähigkeit im Straßennetz. Schneller lässt sich die Kapazität auf einzelnen Strecken mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen und insbesondere der zeitweisen Freigabe des Seitenstreifens steigern, was auch den Flächenverbrauch reduziert. Intelligente Infrastruktur mit Sensorik ist dafür erforderlich, die zudem ein Belastungsmonitoring von Brücken ermöglicht. Auch die Attraktivität von Alternativen zum Auto, also Rad, Bus oder Bahn, lässt sich durch Infrastrukturmaßnahmen verbessern.

Vorausschauend sanieren

Brücken und Fahrbahnen haben eine begrenzte technische Lebensdauer und sind somit auf Reparaturen und Ersatzbauten angewiesen. Die Bauwerke müssen inzwischen ein Vielfaches des bei ihrer Planung in den 1960er und 1970er-Jahren prognostizierten Verkehrsaufkommens aushalten. So wurde die seit 2014 und bis auf weiteres für Lkw mit mehr als 3,5t zlGG gesperrte A1-Rheinbrücke bei Leverkusen für 40.000 Fahrzeuge pro Tag konzipiert. Heute nutzen sie mehr als 120.000 Fahrzeuge täglich, darunter mehr als 14.000 LKW. Sensoren können diese tatsächliche Verkehrsbelastung dokumentieren. Ein auf dieser Basis erstellter Infrastrukturbericht ermöglicht ein realistisches und vorausschauendes Erhaltungsmanagement und hilft, Sanierungsmaßnahmen vorausschauend in der Region zu planen. Rechtzeitige Sanierungsmaßnahmen verlängern die Lebensdauer der Infrastruktur, sparen Finanzmittel und verhindern volkswirtschaftliche Schäden durch ungeplante Nutzungsausfälle. Die anstehenden Ersatzbauten von einigen Großbrücken bei Leverkusen, Wiesbaden, Rade oder Duisburg veranschaulichen in besonderer Weise deren Bedeutung für das gesamte Verkehrsnetz. Doch auch erforderliche Fahrbahnerneuerungen auf Autobahnen haben im Sommer gezeigt, welche Staupotenziale der Sanierungsrückstand in diesem Bereich hat. Durch frühzeitige Ausschreibung, Vergabe und Beginn der Baumaßnahmen zum Jahresbeginn erfolgt eine Entzerrung.  Staus werden so vermieden. Eine Verstetigung der Bautätigkeit ist erforderlich. Der Betrieb, die Erhaltung und die Anpassung von Verkehrsnetzen erfordern an vielen Stellen einen ganzheitlichen Ansatz. Länderübergreifende Verkehrsmanagementsysteme und Bonusregelungen zur Verkürzung der Bauzeit helfen Staus zu verhindern und dadurch volkswirtschaftliche Schäden zu minimieren.

Auch Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP) und Funktionsbauverträge wurden dazu in einigen Konstellationen in der Vergangenheit getestet. Sie müssten jedoch mit Blick auf die Anforderungen an die Bewerber/Bieter im Wettbewerb (z.B. Losgrößen, Finanzierung, Sicherheiten, Referenzen) weiterentwickelt und evaluiert werden, um auch mittelstandsgerecht zu sein.

Leistungsfähigkeit im Straßennetz verbessern.

Mit dem Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) wurden die Weichen für ein langfristig leistungsfähigeres Verkehrsnetz gestellt. Für die Bundesfernstraßen sind von 2016 bis 2030 Investitionen von 133 Milliarden Euro vorgesehen. Rund 67 Milliarden sollen in den Erhalt und Sanierung von Straßen und Brücken fließen. Erhalt vor Neu- und Ausbau hat Priorität. Noch liegt der Verkehrsetat für Sanierung und Erhalt bei 3,6 Milliarden Euro. Für die Sicherung des im BVWP prognostizierten Erhaltungsbedarfs müssten diese Mittel allerdings auf 4,75 Milliarden Euro steigen. Um die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes zu steigern und die Staugefahr zu verringern, sind Dreiviertel der Investitionen für die Beseitigung von Engpässen und weitere großräumig bedeutsame Projekte eingeplant. Ortsumgehungen ermöglichen mehr Lärmschutz und Verkehrssicherheit in der Region. Mit der Abkehr vom Länderproporz und der volkswirtschaftlichen Priorisierung setzt der BVWP die richtigen Prioritäten. Jetzt kommt es darauf an, die Projekte verlässlich zu finanzieren und bei der Umsetzung die Priorisierung zu wahren. Notwendige Kehrseite der gestiegenen Investitionen sind zunehmende Baustellen, die den Engpass im Straßennetz temporär weiter verschärfen. Mit der richtigen Kommunikation an der Baustelle kann hierfür aber Akzeptanz geschaffen werden.