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Die wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekte für die chemische Industrie

Fünf Fragen an Gerd Deimel, Sprecher der VCI-Initiative Infrastruktur

Die VCI-Initiative Infrastruktur hat Straßen, Brücken, Schienen- und Wasserwege in Deutschland unter die Lupe genommen. Zentrale Frage war dabei, wie die Verkehrsinfrastruktur in und zu den Zentren der chemischen Industrie verbessert werden kann. Als eine der transportintensivsten Branchen ist die Chemie besonders auf verlässliche Transporte und damit auf eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur angewiesen. Die chemische Industrie veranlasst sechs Prozent des gesamten Güterverkehrsaufkommens. Sie ist damit der zweitgrößte Auftraggeber von Transportdienstleistungen.

Gerd Deime, Spreche VCI-Initiative Infrastrukturl (c) Michael  Rennertz, LanxessIn ihrem Positionspapier weist die Initiative auf „die wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekte für die chemische Industrie“ hin und zeigt konkreten politischen Handlungsbedarf auf. Fünf Fragen dazu an Gerd Deimel, Sprecher der Initiative Infrastruktur des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Gerd Deimel  (VCI)
(c) Michael  Rennertz, Lanxess

Frage: Die Autobahnbrücke in Leverkusen ist noch immer für schwere Lkw gesperrt, mit der Schiersteiner Brücke ist ein neues Nadelöhr entstanden und der Nord-Ostsee-Kanal liefert mit defekten Schleusenkammern Schlagzeilen. Wie steht es um die deutsche Verkehrsinfrastruktur?

Gerd Deimel: Leider nicht zum Besten. Eine marode Infrastruktur gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland und die unserer Unternehmen. Mittlerweile machen sich die fehlenden Investitionen der vergangenen Jahre dramatisch bemerkbar. Ein Beispiel ist die erst kürzlich bekannt gegebene Ankündigung, die A40-Rheinbrücke Duisburg-Neuenkamp in Richtung Essen einseitig für den Lkw-Verkehr zu sperren. Damit sind nun drei Fernstraßenbrücken über den Rhein mehr als ein deutliches Warnsignal: Etwa 11.000 Straßenbrücken sind in einem solchen Zustand, dass eine umgehende Instandhaltung oder sogar Erneuerung notwendig ist. Um den Transportträger Schiene müssen wir uns ebenfalls große Sorgen machen, denn die Eisenbahnbrücken sind in die Jahre gekommen: Über 1.400 Brücken müssten saniert werden, ein Großteil davon in NRW. Und das in einem Bundesland, in dem es besonders viele Straßenschäden gibt, die dringend beseitigt werden müssten. Hinzu kommt: Es fehlen Bahntrassen und Transportkapazitäten auf der Schiene. Darüber hinaus muss auch eine Vielzahl der Schleusen auf den Binnenwasserstraßen ertüchtigt werden.

Frage: Was bedeutet das für den Alltag ihrer Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Deutschland?

Gerd Deimel: Der Investitionsstau führt zu einem hohen volkswirtschaftlichen Schaden. Für unsere Unternehmen entstehen Wartezeiten, Umwege müssen gefahren werden, die Produktion muss unter Umständen sogar gestoppt werden, weil Rohstoffe nicht pünktlich geliefert werden können. Ein Beispiel: Im vergangenen Sommer mussten Schiffe auf dem Wesel-Datteln-Kanal bis zu 32 Stunden warten – wegen Reparaturen an den Schleusenkammern. Und weil Personal fehlte, mussten sie noch zusätzliche Einschränkungen beim Service hinnehmen. Ein solcher Zustand ist nicht hinnehmbar. Ein weiteres Beispiel sind die deutlich verringerten Verkehrs-Umschläge pro Tag, da die Lkw durch Brücken-Ablastungen, Umwege fahren müssen, und damit die Fixkostenverdünnung geschmälert wird.

Gerade für unsere Betriebe sind funktionsfähige, sichere Verkehrswege ein wichtiger Faktor: Die Chemie zählt nach der Nahrungsmittelindustrie zu den transportintensivsten Branchen in Deutschland. Rund 80 Prozent unserer Produktion gehen an industrielle Weiterverarbeiter.

Deutschland kann es sich nicht länger leisten, die Verkehrswege auf Verschleiß zu fahren. Denn die Verkehrsinfrastruktur ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Leistungsstarke Straßen, Schienen, Wasserwege, Häfen stärken die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Sie ermöglichen privatwirtschaftliche Güterproduktion, dienen der Entwicklung von Region und Land und sind ein wichtiger Aspekt bei unternehmerischen Standortentscheidungen. Es ist gut, dass die Politik endlich die Notwendigkeit erkannt hat, zu handeln.

Frage: Die Regierungskoalition hat für diese Legislaturperiode ein 5-Mrd.-Programm für die Verkehrsinfrastruktur angekündigt, das noch aufgestockt werden soll, und will durch eine Ausweitung der Maut mehr Finanzmittel für die Verkehrswege generieren. Wie bewerten Sie die Pläne des BMVI?

Gerd Deimel: Das ist sicherlich ein richtiger Schritt. Doch ich bin überzeugt, dass die vorgesehenen Finanzmittel bei weitem nicht ausreichen werden. Vielmehr sind Investitionen in Höhe von mindestens 4 Milliarden Euro jährlich notwendig. Dieses Ziel wird durch eine Ausweitung der Maut nicht annähernd erreicht. Ganz im Gegenteil: Sie bedeutet nichts anderes als eine Mehrbelastung ohne eine spürbare Verbesserung für die Infrastruktur.

Frage: Der VCI fordert ein Planungs-Kompetenzzentrum, um alle Verkehrswege intelligent miteinander zu verknüpfen und eine Projekt-Priorisierung der Infrastruktur-Engpässe. Was versprechen Sie sich von diesen Maßnahmen?

Die Vorteile liegen für uns auf der Hand: Know-how wird gebündelt; Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb kommen aus einer Hand. Das Geld für den Bau und den Erhalt kann man so effizienter einsetzen.

Auch eine Projekt-Priorisierung ist dringend notwendig, um die Investitionen besser zu planen. Das Geld muss dahin fließen, wo es wirklich gebraucht wird. Die Kriterien hierfür sind das Ausmaß der Schäden sowie das Verkehrsaufkommen; und ganz wichtig auch die Umfahrungsmöglichkeiten, um beispielsweise einen Fluss oder ein Tal zu überqueren.

Frage: In dem Positionspapier sind rund 40 Projekte für Straße, Schiene, Wasserstraße und Luftverkehr genannt, mit denen das Verkehrsinfrastrukturproblem in den wichtigen Chemie-Regionen gelöst werden könnte. Welche Voraussetzungen müssten geschaffen werden, um den Zerfall der Verkehrsinfrastruktur bundesweit zu stoppen und das Netz für künftige Aufgaben zu modernisieren?

Gerd Deimel: Um es auf den Punkt zu bringen: Absoluten Vorrang hat die Instandhaltung. Dann erst überlegte Neubauten. Denn Lippenbekenntnisse und Prestigeprojekte bringen uns nicht voran. Und ich habe den Eindruck, dass dies auch endlich in der Politik angekommen ist. Dass dies so ist und bleibt, dafür engagiert sich ein Team aus Unternehmensvertretern der deutschen Chemie. Diese bilden die VCI-Initiative Infrastruktur und haben dieses Positionspapier gemeinsam mit den VCI-Experten erstellt.

"Die wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekte für die chemische Industrie"
Das Positionspapier zum Downlaod auf der Homepage des VCI.